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Zwei Striche, die die Welt bedeuten

Kategorien: Thema des Monats
28.10.2015
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Eigentlich wollte ich ja einen Ovulationstest kaufen! So war das bei mir, als ich erfuhr, dass ich schwanger war. Es hat mich so unfassbar kalt von hinten erwischt, dass ich es noch heute, über drei Jahre später, kaum fassen kann.

Come on!

Ich war erst einen Tag überfällig, der Kinderwunsch war da, im Prinzip. Noch am selben Tag hatte ich einer Freundin erzählt, dass ich wirklich gerne schwanger werden würde. „Kauf dir doch einen Ovulationstest“, hatte sie gesagt. Und als ich über Regelschmerzen klagte, gab sie mir noch den wertvollen Hinweis: „Vielleicht bist du auch schon schwanger, die ersten Bewegungen der Gebärmutter fühlen sich wie Regelschmerzen an.“
So stand ich also ein paar Stunden später im Drogeriemarkt vor den Ovulationstests, fand sie irre teuer und entschied mich für den Schwangerschaftstest, der kostete ein Drittel. Folsäure-Tabletten nahm ich auch gleich mal mit, man weiß ja nie.
Ich fand das eigentlich eher lustig, denn: come on! Ich hatte null Komma überhaupt nicht damit gerechnet, wirklich schon schwanger zu sein. Mein Freund und ich hatten es genau einen Zyklus lang darauf ankommen lassen, völlig ohne Plan und Konzept, ohne Rechnerei und ohne uns wirklich Gedanken darüber zu machen, ob wir eigentlich bereit waren für ein Kind.

Dafür war es jetzt auch zu spät, denn als ich am Morgen danach auf die Toilette eilte, den Test fast vergessen hätte, ihn dann aber im Halbschlaf machte – leuchtete mich nach gefühlten drei Sekunden ein ziemlich eindeutiges Ergebnis an.
Diese zwei Striche. Sie haben mich so umgehauen, dass ich erst mal auf der Toilette sitzen blieb. Und nach ein paar Minuten auf den Badewannenrand wechselte.
Oh nein.
War mein erster Gedanke.
Wir können nie wieder woanders hinziehen, mein zweiter.
Wir können nicht mehr reisen. Nicht mehr richtig arbeiten.
Da war vor allem dieses Gefühl, als hätte man mir etwas sehr Großes genommen. Das Gefühl war stark und es war stärker als die Freude, die auch da war, aber eben noch ganz blass.

Angst? Nicht nur normal, sondern berechtigt!

Heute, mit einem zweieinhalbjährigen Sohn und der Gewissheit, dass wir es eigentlich ziemlich gut geschaukelt bekommen, das neue Leben mit Kind, muss ich dennoch sagen, dass mein Gefühl damals weder egoistisch noch naiv war. Ein Kind ist ein riesengroßer Einschnitt. Insbesondere wenn man, wie ich, vorher 30 Jahre lang sein Ding gemacht hat, gerne reist, die Welt erobert, immer das Gefühl hatte, dass einem theoretisch alle Türen offen stehen. Das ist jetzt wirklich nicht mehr so. Alles muss besser geplant werden, ich kann weder spontan sein noch große Pläne nur für mich machen. Es geht immer erst mal um meinen Sohn. Genau diese Verantwortung war es, vor der ich so Angst hatte. Sie haut mich auch heute noch oft um, auf der anderen Seite ist genau das so schön. Diesen kleinen Menschen zu prägen und zu leiten, ihm die Welt zu zeigen, für ihn zu sorgen. Und wir können vielleicht nicht mehr holterdiepolter nach Amerika ziehen (das hatten wir tatsächlich vorgehabt!), aber es haben sich andere Türen geöffnet; die Welt mit Kinderaugen zu sehen, ist oft eine viel größere Erfahrung als ein Spontan-Trip. Außerdem bin ich erfüllter, auch gestresster, definitiv müder. Aber natürlich war die Entscheidung für dieses Kind die einzig richtige.

Dass wir das Kind behalten würden, war ja eh klar. Es war ein Wunschkind und ich hatte wahnsinniges Glück gehabt, so schnell schwanger zu werden. Das war mir damals schon klar, heute weiß ich aber nach vielen Erfahrungen im Freundeskreis sogar noch besser, dass der Prozess des „Schwanger-werden-Wollens“ und Nicht-Werdens ein zermürbender sein kann. Viele meiner Freundinnen haben Unmengen von Tests gemacht, sind von Arzt zu Arzt gelaufen, haben jahrelang warten müssen. Was hatte ich für ein Glück!

Kinder sind ein Geschenk

Kurz nach meinem Aufenthalt auf der Badewanne wurde mir das dann auch bewusst. Ich hatte es so gewollt, jetzt hieß es: Verantwortung übernehmen und sich dem Schicksal stellen. Ich atmete tief ein, ging zurück ins Schlafzimmer, wo mein Freund schon wieder eingeschlafen war. „Schwanger!“, sagte ich. Er strahlte. Wir umarmten uns. Ich sagte immer nur: „Krass, krass, krass.“
Dann rief ich meine Mutter an.
Am Tag danach die Frauenärztin. Die Sprechstundenhilfe gab mir einen Termin in ZWEI Wochen, ich konnte es nicht fassen. Ich war schwanger, das Überwältigendste, was mir bisher in meinem ganzen Leben passiert war, und jetzt sollte ich 14 Tage warten? „Entschuldigung, eine Schwangerschaft ist kein Notfall und man sieht vorher auch noch gar nichts“, sagte sie.
Tja. Für mich bedeuteten diese zwei Striche die Welt, für alle anderen waren sie Routine. Es werden jeden Tag Kinder gezeugt und geboren. Das sagte die Sprechstundenhilfe zwar nicht, genau das meinte sie aber.

Was ich heute jeder Schwangeren raten würde: Sucht euch sofort nach dem positiven Test eine Hebamme! Hebammen sind unheimlich wichtig und leider rar und schnell ausgebucht. Es erscheint komisch, so früh schon an die Geburt zu denken, aber eine Hebamme finden ist wirklich essenziell. So weit war ich damals aber noch nicht. Ich kam erst Wochen später und durch Glück an meine großartige Hebamme. Bei mir überwogen in den ersten Tagen nach dem Test die Freude und die Aufregung, an Pflichten und Aufgaben dachte ich noch nicht.

Ein paar Tage später feierten wir meinen Geburtstag mit engen Freunden und stießen schon auf das „Apfelkernchen“ an (ich natürlich mit Apfelschorle). Diese engen Freunde wurden auch eingeweiht in das Geheimnis, mit den Wochen folgten immer mehr gute Freunde und Bekannte, die „es“ wissen durften. Wie man das mit dem Erzählen handhabt, ist Typsache. Manche können die Freude und Aufregung einfach nicht für sich behalten, andere erzählen selbst dem Erzeuger nicht gleich, was Sache ist.
Ich habe es so gehalten, dass ich allen, bei denen ich mir vorstellen konnte, auch eine Fehlgeburt mit ihnen zu teilen, von meiner Schwangerschaft erzählt habe. Es tat gut, Verbündete zu haben, die einen im Zweifelsfall auch decken konnten, wenn man zum Beispiel auffällig oft nichts trinkt. Ich würde das auch immer wieder so machen, genauso wie ich die frohe Nachricht immer wieder erst mal zelebrieren würde.

Denn erfahrungsgemäß setzen bei vielen Frauen nach wenigen Wochen die Hormone ein. Dann beginnen die schwierigen ersten zwölf Wochen, mit Übelkeit, Übellaunigkeit, Einsamkeit und dünnen Nerven. Muss nicht bei jeder so sein, ging mir aber so. Die große Freude war erst mal dahin. Umso wichtiger, dass ich die ersten Tage „schwanger sein“ so genossen habe!

Bildunterschrift:
PS: Das Foto ist am Tag des Tests entstanden. Wir wollten den Test auch eigentlich aufheben, aber nach ein paar Tagen waren die Striche verblasst.

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