Babyhaut: Warum sie was ganz Besonderes ist

Mamas wissen schon immer: Babyhaut ist ganz besonders zart und sensibel, braucht viel Pflege. Heute kann man jedoch auch wissenschaftlich erklären, warum Babyhaut so besonders ist. Warum so viele Babys trockene Haut haben, warum sie besonderen Wundschutz  benötigt und welche besondere Babypflege empfohlen wird. 

Aufbau der Haut – unser größtes Sinnesorgan

Forscher wissen mittlerweile, wie sich Babyhaut von der Haut eines Erwachsenen unterscheidet. Im prinzipiellen Aufbau der Haut aus verschiedenen Hautschichten sind die Babyhaut und die Erwachsenenhaut jedoch gleich. Sowohl die Haut von einem Baby als auch die Haut eines Erwachsenen ist aus drei Schichten aufgebaut:

  1. Oberhaut (Epidermis). Die Oberhaut (Epidermis) ist die äußerste Hautschicht. Sie ist papierdünn, enthält aber dennoch verschiedene Schichten dicht aneinanderliegender Zellen. Nur an den Handflächen und Fußsohlen, wo sich eine dicke Hornhaut bildet, wird sie bis zu mehreren Millimetern dick. Die Oberhaut schützt uns gegen äußere Einflüsse. Die wichtigste Rolle spielen dabei ihre obersten Zellschichten, die die direkte Kontaktfläche nach außen bilden. Diese Barriere heißt Hornschicht (Stratum corneum). Sie besteht aus einer zähen, recht undurchdringlichen Schicht verhornter, schuppenähnlicher Zellschichten. Eine intakte und elastische Hornschicht bietet einen hochwirksamen Schutz. Dafür sorgt unter anderem ausreichend Wasser zwischen den Hornzellen, das aus den unteren Hautschichten geliefert wird. Häufig – und das gilt besonders für Babys – wirkt sich für die Hornschicht aber zusätzliche Feuchtigkeit günstig aus, damit sie geschmeidig bleibt.
  2. Lederhaut (Dermis oder Corium). Die Lederhaut liegt unter der Oberhaut und ist die dickste Hautschicht. Sie schützt den Körper vor mechanischen Einwirkungen und Temperaturschwankungen. Sie enthält viele wichtige Elemente:
    • Kollagenfasern verleihen der Haut Stabilität.
    • Elastinfasern dagegen halten die Haut elastisch und flexibel.
    • Spezialisierte Nervenenden ermöglichen einen feinen Tastsinn.
    • Schweißdrüsen sitzen ebenfalls in der Lederhaut. Sie trägt daher durch das Schwitzen zur Temperatursteuerung des Organismus bei.
    • Talgdrüsen produzieren zusammen mit den Schweißdrüsen fettartige Substanzen (Lipide), die an die Hautoberfläche abgegeben werden. Sie schützen die Haut vor dem Austrocknen. Diese Hydro-Lipid-Schicht sorgt auch für den sauren pH-Wert der Haut, der es Keimen schwer macht, sich zu vermehren. Die saure Lipidschicht bildet auf der Haut eine weitere Barriere, genau wie die Hornschicht. Man spricht daher auch vom Säureschutzmantel.
  3. Unterhaut (Subcutis). Die Unterhaut isoliert die tiefer liegenden Körperschichten gegen Hitze, Kälte und mechanischen Druck. Sie besteht aus Fettzellen, die von lockeren Bindegewebsbündeln umgeben sind. Sie enthält:
    • Nervenenden, die auf Berührungsreize ansprechen.
    • Große Teile des verzweigten Gefäßnetzes, das die gesamte Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Dieses Gefäßnetz hat außerdem eine lebenswichtige Rolle bei der Temperaturregelung: Steigt die Körpertemperatur zu sehr an (etwa bei Fieber), erweitern sich die Blutgefäße in der Haut. So zirkuliert mehr Blut an der Körperoberfläche und der Körper kann Wärme nach außen abgeben. Bei Kälte ziehen sich die Gefäße in der Haut zusammen, damit der Organismus möglichst wenig Wärme verliert.

Warum unsere Haut so wichtig ist – die Funktionen menschlicher Haut

  • Schutz vor Krankheitserregern und Schadstoffen. Die Haut verhindert, dass Krankheitserreger oder schädliche Stoffe in den Körper eindringen. Der hauteigene Säureschutzmantel schützt vor Bakterien und Pilzen, die sich in einer sauren Umgebung nicht gut vermehren können. Solange die äußerste Barriere der Haut, die Hornschicht, intakt ist, kann sie Krankheitserreger und viele schädliche Stoffe meist einfach abblocken. Sollten alle anderen Verteidigungsmechanismen versagen, hat die Haut noch eine Reserve: Immunzellen (Phagozyten oder Fresszellen), die Krankheitserreger fressen und zerstören.
  • Schutz vor UV-Strahlen. Der Hautfarbstoff Melanin verhindert, dass schädliche UV-Strahlen in die Haut eindringen können – allerdings nur für eine begrenzte Zeit!
  • Ausscheidungen. Die Haut sondert große Mengen an Wasser und Salz sowie kleine Mengen an Harnstoff und Laktat ab. Das ist wichtig, um den Stoffwechsel im Gleichgewicht zu halten. Diese und andere Stoffe sind unter anderem auch wichtig für die Funktion der Hydro-Lipid-Schicht (z.B. pH Wert)
  • Temperatursteuerung. Damit unser Organismus optimal funktioniert, darf die Körpertemperatur nicht zu hoch ansteigen oder zu tief abfallen. Der Körper reguliert dies durch Schwitzen: Verdunstet der Schweiß auf der Hautoberfläche, wirkt das kühlend. Außerdem können die Blutgefäße in der Unterhaut erweitert oder zusammengezogen werden, um die Körpertemperatur zu regulieren.
  • Sinneswahrnehmung. Über die Haut nehmen wir Hitze, Kälte, Druck, Vibration, Berührung und Schmerz wahr. Diese unterschiedlichen Eindrücke helfen uns wahrzunehmen, was um uns herum vorgeht, und darauf zu reagieren. 

Wie sich Babyhaut von Erwachsenenhaut unterscheidet

Wenn Babys auf die Welt kommen, ist die Funktionalität ihrer Haut noch nicht vollständig ausgebildet. Ihre Haut entwickelt sich in den ersten Lebensjahren ständig weiter. Erst in der Pubertät entwickelt sich die Kinderhaut endgültig zur Erwachsenenhaut. Aus diesem Grund gibt es große Unterschiede zwischen der Haut von Neugeborenen und Erwachsenen. Zwar werden die Unterschiede mit der Zeit geringer, aber auch bei Kleinkindern sind sie noch deutlich ausgeprägt.

Die vier wichtigsten Unterschiede zwischen der Haut von Babys und Erwachsenen:

  1. Dünnere Hornschicht. Auch Babys haben schon eine Hornschicht. Im Vergleich zu Erwachsenen ist diese bei ihnen allerdings um ca. 30% dünner verliert schneller ihre Feuchtigkeit, weil die Lücken zwischen den Hornzellen größer sind. 
  2. Weniger aktive Talg- und Schweißdrüsen. Die Talgdrüsen von Babys produzieren weniger Lipide. Auch deswegen hat ihre Haut in den ersten Tagen einen neutralen pH-Wert (pH 7), während die Haut von Erwachsenen einen sauren pH-Wert hat. Bei Neugeborenen besteht also kein fertiger Säureschutzmantel, der sich aber sehr schnell bildet. Auch die Schweißdrüsen sind beim Baby weniger aktiv.
  3. Weniger Melanin. Die Haut von Babys enthält nur wenig pigmentbildende Stoffe. Deswegen produziert sie weniger Melanin als Erwachsene.
  4. Größere Hautoberfläche im Vergleich zum Gewicht. Dieser Unterschied ergibt sich erst mal rein rechnerisch: Bei Babys ist im Verhältnis zum Körper mehr Hautoberfläche da als bei Erwachsenen. Das bedeutet, wenn man die gesamte Hautfläche eines Menschen durch das Gewicht dieses Menschen teilt, dann kommt bei einem Baby ein 2,3 mal größerer Wert heraus als bei einem Erwachsenen.

Die Haut von Säuglingen und Babys muss die gleichen Funktionen erfüllen wie die eines Erwachsenen. Weil sie aber noch nicht vollständig entwickelt ist, fällt ihr vieles schwer:

Die Haut von Neugeborenen...

  • ... ist empfindlicher gegenüber Krankheitserregern, weil der Säureschutzmantel noch nicht so stabil ist. So kann es bei Babys schneller zu Infektionen oder Hautreizungen kommen, wie z.B. Windelausschlag.
  • ...kann Feuchtigkeit durch die Lücken in der Hornschicht zwar schneller aufnehmen, gibt sie aber auch viel schneller wieder ab. Das kann zu trockener Haut beim Baby führen.
  • …ist empfindlicher gegenüber Reizen, wie zum Beispiel Reibung durch Kleidungsstücke. Das liegt daran, dass die Oberhaut dünner ist.
  • ...ist schlechter vor UV-Strahlung geschützt, weil sie weniger Melanin enthält. Daher ein Sonnenschutz fürs Baby besonders wichtig.
  • ...ist trockener und damit auch empfindlicher, weil die Talgdrüsen noch nicht sehr aktiv sind.
  • ...kann schlechter die Körpertemperatur regulieren, weil Babys weniger Schweiß produzieren. Sie können daher leichter überhitzen.
  • ...reagiert empfindlicher auf Berührung, weil die Oberhaut dünner ist. Das ist gut so, denn Sinneseindrücke über die Haut haben für Babys eine besondere Bedeutung: Sie ermöglichen es ihnen, sich ohne Worte mit anderen zu verständigen und ihre Umwelt kennen zu lernen. Beides fördert die Entwicklung. 

Die Hautpflege beim Baby unterscheidet sich daher von der bei Erwachsenen. Mit der richtigen Babypflege kann man die Babyhaut bei ihren Aufgaben unterstützen. Dann kann sie sich in Ruhe weiter entwickeln, bis sie nach und nach immer mehr selbstständig die Herausforderungen des täglichen Babylebens meistern kann.

Quellen

P. Fritsch (2004):
Dermatologie und Venerologie. 2. Auflage. Springer Verlag.

J. Nikolovski et al. (2008):
Barrier Function and Water-Holding and Transport Properties of Infant Stratum Corneum Are Different from Adult and Continue to Develop through the First Year of Life. JOURNAL OF INVESTIGATIVE DERMATOLOGY Bd. 128 Nr.7, S. 1728-36.

G. N. Stamatas et al. (2010):
Infant Skin Microstructure Assessed In Vivo Differs from Adult Skin in Organization and at the Cellular Level. PEDIATRIC DERMATOLOGY  Bd. 27 Nr. 2, S.125-131.

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